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Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
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Schatten, der

Der Schatten, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eigentlich, das dunkele Bild eines Körpers, so fern dasselbe durch die Aufhaltung der Lichtstrahlen entstehet. Seinen Schatten im Wasser sehen. Nach einem Schatten greifen. Der Thurm wirft seinen Schatten gegen Abend. Du siehest die Schatten der Bäume für Leute an, Richt. 9, 36. Es will Abend werden und die Schatten werden groß, Jer. 6, 4. Abends, wenn die Schatten länger werden. Gegen den Mittag werden die Schatten kürzer. Sprichw. Ein krummer Stecken kann keinen geraden Schatten werfen. Seinen eigenen Schatten fliehen, figürlich, sich ohne Ursache fürchten. Der Mensch fleucht wie ein Schatten, Hiob 14, 2. Unser Leben ist wie ein Schatten, 1 Chron. 30, 15. Ich fahre dahin wie ein Schatten, Ps. 109, 23. Lauter Morgenländische, theils von der Vergänglichkeit, theils von der beständigen Bewegung des Schattens hergenommene Bilder. In einer andern Rücksicht ist der Schatten ein sehr gewöhnliches Bild einer entkräfteten äußern Gestalt. Er vergehet wie ein Schatten. Er siehet aus wie ein Schatten. Er ist einem Schatten ähnlicher als einem Menschen. In dieser Bedeutung des durch die Beraubung des Lichtes entstandenen dunkeln Bildes, sagt man nicht, einen Schatten machen oder geben, welche R.A. nur in der folgenden Bedeutung üblich sind, sondern einen Schatten werfen.

2. Figürlich. 1) Ein schwaches Bild, ein einem andern nur auf eine unvollkommene Art ähnliches Ding. Die Physik der Alten ist kaum ein Schatten von der neuern. Das Gesetz (das Ceremonial-Gesetz des alten Testamentes) ist der Schatten von dem, das zukünftig war, Col. 2, 17, eine unvollkommene sinnbildliche Vorstellung; daher man in dieser Rücksicht auch den ganzen Jüdischen Gottesdienst des alten Testamentes einen Schattendienst, ein Schattenwerk u.s.f. nennet.

2) Eine abgeschiedene Seele, der Geist eines verstorbenen Körpers, heißt in der dichterischen Schreibart häufig ein Schatten, Lat. Umbra. Laß deinen Schatten mir erscheinen.


Der Tod sieht keinen Vorzug an,

Und stellt den allergrößten Mann

Zum Pöbel der gemeinen Schatten,

Haged.


Das Reich der Schatten, das Schattenreich, der Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen.

3. In weiterer Bedeutung, der Mangel des Lichtes in einem erleuchteten Orte, so fern derselbe durch die von Körpern aufgehaltenen Lichtstrahlen verursacht wird; wo der Begriff des Bildes verschwindet und nur der Begriff der Dunkelheit übrig bleibt.

1) Eigentlich. Einen Schatten machen, durch seine körperliche Masse die Lichtstrahlen aufhalten, welches in dieser Bedeutung üblicher ist, als Schatten geben. Ein Körper stehet im Schatten, auf der Seite, welche kein Licht empfängt. Bey den Mahlern ist der Schatten im Gegensatze des Lichtes, dunkele Partien und Züge, welche den natürlichen Schatten nachahmen, und zur Erhöhung der beleuchteten oder hellen dienen. Große Lichter erfordern große Schatten, weil sie die Ruhestellen für das Auge sind. S. Schattiren, Halbschatten und Schlagschatten. In einigen biblischen Stellen wird es auf eine sonst ungewöhnliche Art für Finsterniß überhaupt gebraucht. Die da saßen am Ort und Schatten des Todes, Matth. 4, 16.

2) In engerer Bedeutung, Schatten vor den Sonnenstrahlen, mit dem Nebenbegriffe der Kühle. (a) Eigentlich. Schatten geben, oder einem Schatten geben, durch seine körperliche Masse die heißen Sonnenstrahlen abhalten; in welcher Bedeutung man nicht gern Schatten machen, Schatten werfen aber gar nicht sagt. Im Schatten sitzen. Sich in den Schatten setzen. In den Schatten treten. Laß uns einen kühlen Ort suchen, und in den Schatten uns lagern, Geßn.


Ihr Büsche schließet mich in heilge Schatten ein,

Cron.


(b) Figürlich. α) Ein Schatten gebendes Gewächs; doch nur in der dichterischen Schreibart. Oft besucht die Muse bemooste Hütten, um die der Landmann stille Schatten pflanzet, Geßn. Wie wenn ich einen kühlen Schatten von fruchtbaren Bäumen hier pflanzte, ebend. β) Schutz, Schirm, Erquickung; eine besonders Morgenländische Figur, wo der Schatten in der brennenden Hitze des Tages eine größere Wohltat ist, als in den gemäßigtern Zonen. Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel, Ps. 17, 8. Der Herr ist dein Schatten, Ps. 121, 5. Es nähert sich hier zugleich dem Begriffe des verwandten Schutzes, wohin ohne Zischlaut auch Hütte und hüthen gehören.

Anm. Bey dem Willeram Scade, bey dem Notker Scato, Scatue, bey dem Ulphilas Skadau, im Angels. Sceadu, im Engl. Shade, Shadow, im Holländ. Schaduwe, im Wallisischen Ysgod, im Bretagnischen Skeut. Es scheinet, daß in diesem Worte zwey verschiedene Hauptbegriffe liegen, die aber doch aus Einer gemeinschaftlichen Quellen fließen, der Begriff eines Bildes, und der Begriff der Dunkelheit; jener ist eine Figur des Lichtes, dieser aber des hohlen Raumes, beyde aber stammen von dem Begriffe der Bewegung und ihrer Richtung her. Zu der Bedeutung der Dunkelheit gehöret besonders das Griech. σκοτια, Finsterniß. Was die Bedeutung eines Bildes betrifft, so gehöret es hier zunächst zu schauen, scheinen, und allen Wörtern dieser Art, welche den Begriff des Lichtes voraus setzen; denn daß es hier am Ende nur auf die Sylbe Scha ankommt, und daß das t oder tt nur der Endlaut ist, erhellet aus dem Griech. σκια, dem Irländischen Ska, dem Holländ. Skuwe, dem alten Alemannischen im Tatjan befindlichen Scuwen, dem Schwedischen Skugga, dem Niederdeutschen Schemen und Schemel, und dem Osnabrückischen Schär, welche aller Verschiedenheit der End-Consonanten ungeachtet, insgesammt den Schatten bedeuten, besonders so fern er ein dunkeles Bild ist, aber auch alle ursprünglich Licht bezeichnen. Der Schatte, für Schatten, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.



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