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Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
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Scharte, die

Die Schārte, plur. die -n, ein vermittelst des verstärkenden Endlautes t von 1 Schar, und dem daselbst zum Grunde liegenden Zeitworte scharen, abstammendes Wort, welches daher auch aller dort bemerkten Bedeutungen fähig ist. Im Hochdeutschen kommen davon noch folgende vor.

1. Mit dem Begriffe des hohlen Raumes, eines Gefäßes, ist die Scharte oder Schart, in einigen Gegenden, selbst Obersachsens, ein großer runder küpferner Tiegel auf Füßen, mit einer küpfernen einschließenden Decke, welche oben mit glühenden Kohlen beleget wird, Pasteten darin zu backen, oder andere Speisen darin zuzurichten. In einen von dem Frisch angeführten alten Vocabulario von 1482 ist Schart eine jede Pfanne.

2. Mit dem Begriffe des Schneidens, Brechens, Theilens u.s.f. der sich auf eine unmittelbare Onomatopöie gründet, ist die Scharte,

1) * Ein abgebrochenes, abgeschnittenes, abgesprungenes Stück, ein Span, Splitter, ein Stück; eine noch in den gemeinen Sprecharten, so wohl Ober-, als Niederdeutschlandes gangbare, im Hochdeutschen aber unbekannte Bedeutung. So gebraucht Jeroschin Schart für einen Span. S. auch Heftscharte. Im Nieders. ist Schaard in engerer Bedeutung ein Stück eines zerbrochenen Topfes; eine Scherbe, Angels. Sceard, Engl. Shard, Sheard, Sherd.

2) Ein Einschnitt, eine durch Schneiden, Reißen, Brechen u.s.f. verursachte Öffnung. Bey dem Stryker kommt schart für verwundet vor. Im Engl. ist Scar eine Narbe, Franz. Escarre. In den Alemannischen Gesetzen bedeutet Lidiscarti die Verstümmelung eines Gliedes, und Orsoarti die Verletzung des Ohres. Das Schwed. skårda bedeutet gleichfalls verletzen, das Isländ. skord vermindern, und unser kurz ist nur durch den Mangel des Zischlautes davon verschieden. Es kommt hier noch in folgenden Fällen vor. (a) In dem zusammen gesetzten Hasenscharte bedeutet es eine angeborne Spalte in der Lippe, dergleichen die Hasen haben, S. dieses Wort. (b) An scharfen schneidenden Werkzeugen ist die Scharte eine fehlerhafte Öffnung an der Schärfe, welche durch ein ausgesprungenes Stück verursacht worden; Niedersächsisch Schaard, Isländisch Skard. Das Messer hat Scharten, bekommt Scharten. Eine Scharte auswetzen, so wohl eigentlich, als auch figürlich, einen Fehler wieder gut machen, einen Schaden ersetzen. Du hast sein scharfes Schwert mit Scharten stumpf gemacht, Opitz. (c) Ein Einschnitt in die Oberfläche der Mauern oder Brustwehren, dadurch zu schießen, ist unter dem Nahmen einer Schießscharte bekannt. Schwed. Skård, Franz. Escarre. In den Niederdeutschen Marschländern wird auch die in die Oberfläche eines Deiches oder Dammes eingeschnittene Durchfahrt eine Scharte genannt. Ohne Zischlaut ist im Nieders. Kart eine Kerbe. (d) Eine gewisse Pflanze, wird wegen ihrer zackigen gekerbten Blätter so wohl Scharte, als Schartenkraut, und mit einer andern Endsylbe Scharley genannt; Serratula L. welcher Lateinische Nahme sich auf eben diesen Umstand beziehet, von Serra, eine Säge. Es gibt mehrere Arten derselben, worunter besonders diejenige diesen Nahmen führet, welche zum Färben gebraucht wird und eine mittelmäßige gelbe Farbe gibt; Serratula tinctoria L. Färberscharte. Im Nieders. heißt sie nur Schar.

Anm. S. 1 Schar. Das a wird im Hochdeutschen in diesem Worte gemeiniglich gedehnt ausgesprochen, andere Mundarten brechen es kurz ab. Aber es, wenn Scharte die Lücke in einer Schneide bedeutet, lang, und wenn es der Einschnitt in einer Brustwehre ist, kurz aussprechen, wie einige wollen, ist eine sehr willkürliche Regel.



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